Alte Schätze neu gedacht – warum nicht alles weg muss
Manchmal erzählen alte Dinge ihre Geschichte nicht mehr mit Worten, sondern mit einer neuen Idee.
So war das auch mit einer wunderschönen alten Bronzenuhr, die wir aus einem Herrenhaus mitgebracht haben. Viele Jahre hatte sie dort auf dem Kaminsims gestanden und bestimmt unzählige Stunden, Gespräche und Familiengeschichten begleitet. Kaum stand sie bei uns, setzte sich Pauline davor, legte den Kopf schief und lauschte.
„Frauchen … wo ist das Tick-Tack?“
„Das Uhrwerk ist leider kaputt, Pauline.“
Sie hörte noch einmal ganz genau hin.
„Also … kein Tick-Tack. Dann ist das doch gar keine richtige Uhr mehr.“
Ich musste lachen. Ganz so einfach war es natürlich nicht. Das Uhrwerk war tatsächlich so stark beschädigt, dass eine Reparatur kaum noch sinnvoll gewesen wäre. Aber deshalb dieses wunderschöne Stück aufzugeben? Das kam für uns überhaupt nicht infrage. Die aufwendig gearbeitete Bronze war viel zu schade dafür.
Also entstand eine neue Idee. Dort, wo früher das Zifferblatt saß, bekam die Uhr ein zweites Leben – als Bilderrahmen. Als Pauline ihr eigenes Foto darin entdeckte, war die Sache für sie endgültig geklärt.
„Siehst du, Frauchen. Vorher hat die Uhr nur die Zeit gezeigt. Jetzt zeigt sie etwas wirklich Schönes.“ Bescheidenheit gehört bekanntlich nicht zu Paulines Stärken.
Bei Körbchen hört die Freundschaft auf
Dass man alte Dinge nicht vorschnell aussortieren sollte, weiß Pauline übrigens ganz genau. Zumindest, wenn es sich um ihre eigenen Sachen handelt.
Sie besitzt drei Körbchen. Eines davon ist schon älter, herrlich weich durchgelegen, ist es ihr absoluter Lieblingsplatz. Als ich vorsichtig erwähnte, dass es vielleicht irgendwann einmal wegkönnte, sah sie mich an, als hätte ich gerade den gesamten Haushalt zur Abholung angemeldet.
„Du spinnst wohl, Frauchen!“
Das Körbchen wird gewaschen, bekommt ein neues Kissen und bleibt. Die beiden anderen seien schließlich für Gäste.
„Ihr Menschen“, sagte Pauline, „kauft immerzu neue Sachen und wundert euch dann, dass die Schränke voll sind. Danach wird aussortiert. Ich bin da schlauer: Ich behalte mein altes Körbchen und lasse Frauchen den Rest aufräumen.“
Ganz Unrecht hat sie leider nicht.
Vom Weihnachtsgebäck zur Sommertorte
Kurz darauf wollten Pauline und ich die Vorratskammer aufräumen. Wobei „wir“ bedeutet: Ich räume und Pauline sitzt dort, wo ich gerade hinmuss.
Ganz hinten fanden wir noch selbst gebackene Nürnberger Lebkuchen. Trocken gelagert, wunderbar würzig und völlig in Ordnung.
„Frauchen, die kann ich übernehmen“, bot Pauline sofort an.
Ihr selbstloses Angebot wurde abgelehnt. Ein paar schokoladenfreie Krümel bekam sie trotzdem. Und aus den Lebkuchen wurde ein Tortenboden.
„Na also“, meinte sie zufrieden. „Ich wusste doch, dass sich Aufräumen lohnt.“
Das Rezept:
Etwa 300 Gramm Lebkuchen fein zerkrümeln, mit 60 bis 80 Gramm geschmolzener Butter vermischen und die Masse fest in eine mit Backpapier ausgelegte Springform drücken. Den Boden bei 180 Grad Ober-/Unterhitze für 10 Minuten in den Backofen und danach vollständig auskühlen lassen. Darauf kommt unsere Zitronen-Cheesecake-Creme.
Dafür braucht man
- 600 Gramm Frischkäse
- 250 Gramm Mascarpone
- 200 Milliliter Schlagsahne
- 3 Päckchen Sahnesteif
- 80 Gramm Puderzucker
- den Saft und etwas fein abgeriebene Schale von 2 Bio-Zitronen
- 1 Teelöffel Vanillepaste
- 1 Prise Salz
Frischkäse, Mascarpone, Puderzucker, Vanillepaste, Salz, Zitronensaft und Zitronenschale glatt verrühren. Die Sahne mit dem Sahnesteif steif schlagen und vorsichtig unterheben. Anschließend die Creme auf den ausgekühlten Lebkuchenboden geben, glatt streichen und mehrere Stunden, am besten über Nacht, kalt stellen. Zum Schluss kommen noch Erdbeersoße, frische Erdbeeren und etwas Schokolade auf die Torte.
Vielleicht ist genau das der schönste Gedanke: Alte Dinge müssen nicht immer das bleiben, was sie einmal waren. Aber sie verdienen oft eine zweite Chance. Manchmal braucht es dafür nur ein wenig Fantasie, ein bisschen Handwerk – und gelegentlich einen Basset Hound, der einen daran erinnert, dass nicht alles, was alt ist, auch weg muss.
🐾 PS von Pauline
Mein Foto passt hervorragend in die Bronzeuhr. Ich würde sogar sagen, die Uhr ist dadurch deutlich im Wert gestiegen.
🐾 PPS von Pauline
Ich habe übrigens schon wieder etwas entdeckt. Frauchen weiß noch gar nicht, was sie damit alles anstellen kann. Ich schon. Aber das erzähle ich euch nächste Woche … wenn Frauchen sich von ihrem ersten Schreck erholt hat.
👉 Hier geht es zu unseren Neuheiten
Auch in unserem Shop warten besondere Einzelstücke mit Geschichte, Charakter und manchmal einer überraschenden zweiten Aufgabe.
Nur einmal vorhanden – wenn weg, dann weg.
Pauline hat nur eine Ausnahme: Ihr altes Körbchen ist auch nur einmal vorhanden – aber wehe, wenn das weg ist.
Pauline und wir sind neugierig
Über welche Möbel, Epochen oder Werkstattgeschichten möchtet ihr mehr erfahren?
Schreibt uns gern – wir freuen uns über jede Anregung.

