Ein Fall für Pauline – Als plötzlich die Polizei vor unserer Tür stand

Ein Fall für Pauline – Als plötzlich die Polizei vor unserer Tür stand

Manchmal schreibt dass Leben die spannendsten Geschichten

Eigentlich wollte ich euch heute etwas ganz anderes erzählen. Frauchen und ich hatten schon überlegt, welche Antiquität diesmal im Mittelpunkt stehen sollte. Vielleicht der wunderschöne Jugendstil-Schrank, der so aussieht, als hätte ihn jemand direkt aus einem alten Herrenhaus gerettet? Oder einer unserer gemütlichen Sessel, die mich jedes Mal dazu verleiten, mich heimlich für ein kleines Nickerchen hineinzukuscheln. Das Leben bei Antik & Stil ist normalerweise herrlich ruhig. Es riecht nach altem Holz, nach Bienenwachs, nach Stoffen aus vergangenen Zeiten und manchmal – wenn ich ganz viel Glück habe – auch nach Leberwurst. Mehr braucht ein Basset eigentlich nicht zum Glücklichsein.

Frauchen behauptet zwar immer, ich würde während der Arbeitszeit hauptsächlich schlafen. Das stimmt natürlich überhaupt nicht. Ich denke nur mit geschlossenen Augen nach. Das ist ein großer Unterschied. Schließlich muss ich ständig überlegen, welches Möbelstück heute besonders viel Aufmerksamkeit verdient und ob der Polsterer vielleicht irgendwo unbemerkt sein Pausenbrot abgelegt hat. Man muss Prioritäten setzen.

 

Gerade hatte ich mich in meinem Körbchen bequem zusammengerollt und war kurz davor, einen ausgesprochen wichtigen Traum über einen Berg Hundekekse zu beginnen, als das Telefon klingelte. Ich hob ein Ohr. Telefonieren gehört eindeutig zu Frauchens Aufgaben. Meine beginnen erst, wenn jemand durch die Tür kommt oder irgendwo etwas Essbares herunterfällt.

„Antik & Stil, guten Tag“, meldete sich Frauchen wie immer freundlich.

Zunächst klang alles ganz normal. Doch plötzlich wurde sie still. So still, dass ich sogar das zweite Ohr hob. Das passiert nicht oft. Eigentlich nur, wenn jemand das Wort „Leckerli“ sagt oder wenn irgendetwas wirklich nicht stimmt.

„Wie bitte?“, fragte Frauchen schließlich.

Sie hörte aufmerksam zu, machte sich ein paar Notizen und schaute dann zu mir herüber. Diesen Blick kenne ich inzwischen ziemlich gut. Das ist der Blick, bei dem ich sofort weiß: Pauline, jetzt wird’s ernst.

 

Der freundliche Herr am Telefon erzählte, dass er eine Anzeige bei Kleinanzeigen aufgegeben hatte. Kurz darauf hätten sich zwei Personen bei ihm gemeldet und erklärt, sie kämen von Antik & Stil. Irgendetwas sei ihm später jedoch merkwürdig vorgekommen. Deshalb suchte er nach unserer Internetseite und rief vorsichtshalber direkt bei uns an.

Frauchen erklärte ihm ruhig, dass selbstverständlich niemand aus unserem Team in München unterwegs sei, um Möbel anzukaufen. Wir bedankten uns für seinen Anruf, legten auf und schauten uns erst einmal gegenseitig an.

„Pauline“, sagte Frauchen nachdenklich, „das ist schon seltsam.“

Ich nickte. Na gut … bei einem Basset sieht ein Nicken eher aus wie ein leichtes Wackeln der Schlappohren. Aber ich war sofort alarmiert.

„Frauchen“, sagte ich mit meiner tiefsten Ermittlerstimme, „ich glaube, wir haben einen Fall.“

 

Natürlich begann ich sofort mit meinen Nachforschungen. Als ausgebildeter Spürhund – zumindest bilde ich mir das ein – startete ich dort, wo jeder vernünftige Ermittler anfangen würde: am Kühlschrank. Man kann schließlich nie wissen.

Frauchen musste lachen.

„Pauline“, meinte sie, „ich glaube nicht, dass sich unser geheimnisvoller Besucher zwischen Käse und Leberwurst versteckt.“

Schade eigentlich. Das hätte die Ermittlungen erheblich vereinfacht. Kaum hatte ich den Kühlschrank offiziell für unschuldig erklärt, klingelte das Telefon erneut. Wieder dieselbe Geschichte. Wieder hatte jemand erzählt, dass sich Personen unter dem Namen Antik & Stil gemeldet hätten. Jetzt wurde sogar mir klar, dass das kein Zufall mehr sein konnte.

Ich lief aufgeregt durchs Büro. Na gut … „lief“ ist bei einem Basset vielleicht etwas übertrieben. Sagen wir lieber, ich bewegte mich mit beeindruckender Entschlossenheit von einem Teppich zum nächsten. Schließlich musste ich jetzt zeigen, dass in mir eine echte Spürhündin steckt.

„Frauchen!“, rief ich. „Wir müssen sofort Spuren sichern!“

„Pauline“, antwortete sie ganz ruhig, „welche Spuren denn?“

„Na, alle!“

Also schnupperte ich erst einmal an der Eingangstür. Danach an einem antiken Schrank. Anschließend an Frauchens Tasche. Und sicherheitshalber noch einmal am Kühlschrank. Man kann schließlich nie wissen. Frauchen beobachtete mich schmunzelnd.

„Und?“

„Der Kühlschrank ist unschuldig.“

„Das beruhigt mich.“

Ich setzte mich stolz vor sie.

„Als Nächstes verhöre ich den Postboten.“

„Warum ausgerechnet den?“

„Der kommt ständig hierher.“

„Pauline …“

„Gut, dann eben den Nachbarskater.“

„Der hat damit bestimmt auch nichts zu tun.“

„Schade.“

Ich hatte mich gerade so schön in meine Rolle als Chef-Ermittlerin hineingearbeitet.

 

Während ich noch überlegte, ob wir vielleicht ein großes Schild mit der Aufschrift „Vorsicht! Pauline ermittelt!“ an die Tür hängen sollten, begann Frauchen im Internet nachzuforschen. Je mehr sie herausfand, desto ernster wurde ihr Gesicht. Unser Firmenname. Unser Logo. Sogar unser Profilbild. Da hörte selbst ich auf zu scherzen.

„Frauchen“, fragte ich ganz leise, „uns klaut doch hoffentlich niemand unsere Antik-&-Stil-Familie?“

Sie strich mir liebevoll über den Kopf.

„Nein, Pauline. Unsere Familie kann uns niemand nehmen. Aber unseren guten Namen müssen wir natürlich schützen.“

In diesem Moment wurde mir klar, dass das gar kein lustiger Krimi war. Wir wussten überhaupt nicht, was in München passiert war. Wir wussten nur, dass zwei freundliche Herren unabhängig voneinander bei uns angerufen hatten, weil ihnen etwas merkwürdig vorkam. Was dort wirklich geschehen war, wussten wir nicht – und wissen wir bis heute nicht. Genau das machte Frauchen Sorgen. Nicht nur wegen unseres Namens, sondern auch wegen der Menschen, die vielleicht dachten, sie hätten es mit Antik & Stil zu tun.

„Dann müssen wir etwas tun“, sagte ich entschlossen.

„Genau das machen wir jetzt“, antwortete Frauchen. Sie griff zum Telefon und informierte die Polizei.

Ganz ehrlich? In diesem Moment war ich sogar ein kleines bisschen aufgeregt. Nicht weil ich Angst hatte, sondern weil ich plötzlich einen wunderbaren Gedanken hatte. Vielleicht suchen die ja noch eine vierbeinige Sonderermittlerin mit langen Schlappohren und einer hervorragenden Spürnase. Ich setzte mich geschniegelt neben die Haustür, zog meinen ernstesten Basset-Blick auf und wartete.

 

Am Abend kamen die Polizeibeamten tatsächlich noch zu uns nach Hause. Sie waren freundlich, hörten aufmerksam zu und nahmen sich viel Zeit. Frauchen erzählte ihnen in Ruhe von den beiden Anrufen aus München, von unseren Nachforschungen und davon, was wir herausgefunden hatten. Es tat gut, mit Menschen zu sprechen, die einem zuhören und erklären, welche Schritte jetzt sinnvoll sind. Eine Strafanzeige wurde aufgenommen, damit der Sache nachgegangen werden kann. Ich saß natürlich die ganze Zeit daneben. Schließlich musste ja jemand aufpassen, dass auch wirklich alles ordentlich aufgenommen wurde.

 

Ehrlich gesagt war ich fest davon überzeugt, dass ich jeden Moment zur offiziellen Polizeihündin ernannt würde. Ich hatte mir das schon genau vorgestellt: ein schickes Halsband mit Polizeistern, einen Dienstausweis mit meinem schönsten Basset-Foto und natürlich eine tägliche Leberwurstration für besonders schwierige Einsätze. Leider blieb es bei einem freundlichen Lächeln und ein paar Streicheleinheiten. Na gut … die waren auch schön. Aber ein Polizeistern hätte mir wirklich ausgezeichnet gestanden. Leider bekam ich weder einen Dienstausweis noch eine Polizeimarke. Nicht einmal ein Ermittler-Leckerli. Ich finde bis heute, darüber sollte man wirklich noch einmal sprechen.

 

Als die Polizeibeamten wieder gegangen waren, wurde es langsam ruhig im Haus. Frauchen machte sich noch eine Tasse Tee, ich rollte mich mit einem tiefen Seufzer in meinem Körbchen zusammen und dachte über diesen merkwürdigen Tag nach. Eigentlich hatte ich euch doch heute eine ganz andere Geschichte versprochen. Eine Geschichte über wunderschöne Antiquitäten, über Möbel mit Seele und über die kleinen Wunder, die jeden Tag in unserer Werkstatt entstehen. Stattdessen war ich plötzlich Chef-Ermittlerin Pauline geworden.

Frauchen setzte sich neben mich und kraulte mich hinter den Ohren. Das macht sie immer, wenn sie merkt, dass ich nachdenke. Ja, wir Basset Hounds denken tatsächlich nach. Zugegeben, manchmal dauert es etwas länger. Aber am Ende kommen wir meistens auf ganz vernünftige Gedanken.

„Weißt du, Pauline“, sagte Frauchen leise, „eigentlich bin ich froh, dass die beiden Herren aus München bei uns angerufen haben.“

Ich hob den Kopf. Sie hatte recht. Die beiden hätten auch einfach denken können: „Ach, das wird schon alles stimmen.“ Haben sie aber nicht. Sie haben auf ihr Bauchgefühl gehört. Sie haben lieber einmal nachgefragt. Und genau dadurch erfuhren wir überhaupt, dass unser Firmenname und unser Logo verwendet wurden.

 

Bis heute wissen wir nicht, was dort tatsächlich passiert ist. Wir wissen nicht, warum unser Name benutzt wurde und wir wissen auch nicht, was die Menschen vor Ort erlebt haben. Genau diese Ungewissheit hat uns beschäftigt. Deshalb wollten wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern Verantwortung übernehmen und die Polizei informieren.

Und genau deshalb erzählen wir euch diese Geschichte heute. Nicht, weil wir Angst machen möchten. Nicht, weil wir jemanden beschuldigen möchten.

Sondern weil wir finden, dass Aufmerksamkeit und gegenseitiges Vertrauen heute wichtiger sind denn je.

Wenn euch – bei uns oder auch bei irgendeiner anderen ehrlichen Firma – einmal etwas merkwürdig vorkommt, dann hört auf euer Bauchgefühl und fragt lieber einmal freundlich nach. Genau das haben die beiden Herren aus München getan. Dafür möchten wir ihnen heute noch einmal von Herzen Danke sagen.

 

Während Frauchen ihren Tee trank, dachte ich an unsere einzigartigen Antiquitäten. An die Möbel, die schon Generationen begleitet haben. Alte Schränke, an denen unzählige Hände die Türen geöffnet haben. Tische, an denen Familien gelacht, gefeiert und manchmal sicher auch geweint haben. Sessel, in denen Menschen ihre Lieblingsbücher gelesen oder einfach den Feierabend genossen haben.

Genau deshalb liebe ich Antik & Stil. Wir verkaufen nicht einfach Möbel. Wir bewahren Erinnerungen. Und wir restaurieren Geschichte. Und wir freuen uns jedes Mal, wenn eines unserer Stücke ein neues Zuhause findet.

In diesem Moment meldete sich plötzlich mein Magen. Große Gedanken machen nämlich hungrig. Ich trottete langsam zum Kühlschrank und setzte mich erwartungsvoll davor.

„Pauline“, lachte Frauchen, „du suchst doch jetzt nicht schon wieder nach Spuren?“

Ich schaute sie mit meinem allerernstesten Basset-Blick an. „Doch.“

„Im Kühlschrank?“

„Man muss schließlich alle Möglichkeiten ausschließen.“

Frauchen schüttelte lachend den Kopf und gab mir am Ende doch noch ein kleines Leckerli. Ich werte das bis heute als offizielle Belohnung für hervorragende Ermittlungsarbeit.

 

Am Abend kuschelte ich mich zufrieden in mein Körbchen. Ich war müde. Nicht vom Laufen – Basset Hounds sparen ihre Kräfte für die wirklich wichtigen Dinge –, sondern vom vielen Nachdenken.

„Frauchen?“

„Ja, Pauline?“

„Nächste Woche erzählen wir den Menschen aber wieder etwas über wunderschöne Antiquitäten, oder?“

Frauchen lächelte. „Ganz bestimmt. Das ist mir nämlich ehrlich gesagt viel lieber.“

Und wisst ihr was? Mir auch. Denn alte Möbel erzählen die schönsten Geschichten. Sie bringen Menschen zusammen. Sie bewahren Erinnerungen. Und genau diese Geschichten möchten wir auch in Zukunft mit euch teilen.

Bis dahin passe ich natürlich weiter gut auf Frauchen, unser ganzes Team von Antik & Stil und auf unsere vielen kleinen und großen Schätze auf.

Na ja … Und auf den Kühlschrank. Jemand muss schließlich kontrollieren, ob die Leberwurst noch vollständig ist. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe.

 

Bis nächste Woche!

Eure Pauline 🐾

 

P.S.: Falls ich doch irgendwann noch zur offiziellen Polizeihündin ernannt werde, wünsche ich mir einen Dienstausweis, einen Polizeistern und eine tägliche Leberwurstration. Über alles andere können wir verhandeln.

 

P.P.S.: Nächste Woche wird es wieder gemütlich. Dann nehme ich euch wieder mit in die wunderbare Welt der Antiquitäten. Mit neuen Schätzen, spannenden Geschichten und ganz viel Herzblut. Darauf freue ich mich jetzt schon riesig.

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