Pauline auf Schnüffeltour in Holland – Teil 1

Pauline mit Holzpantoffeln zwischen holländischen Antiquitäten und moderner Architektur

Herrchen und ich hatten eine klare Vereinbarung: Wir fahren nach Holland und machen Urlaub. Ein bisschen Meer, frische Luft, gemütliche Pausen und zwischendurch etwas Leckeres. Ein vernünftiger Plan, fand ich. Frauchen hatte ebenfalls zugestimmt. Allerdings hätten wir genauer nachfragen müssen, was sie unter „Urlaub“ versteht. Bei ihr bedeutet das offenbar: Antiquitäten suchen, aber ohne anschließend sofort in die Werkstatt zu müssen. Kaum waren wir unterwegs, kam schon der erste verdächtige Satz: „Da können wir doch mal kurz gucken.“ Herrchen und ich sahen uns an. Wir kennen dieses „kurz“. Es beginnt mit einem Blick ins Schaufenster und endet damit, dass Frauchen irgendwo eine Schublade herauszieht, um deren Verarbeitung zu bewundern. Andere bringen aus dem Urlaub einen Kühlschrankmagneten mit. Bei Frauchen muss man vorsichtshalber die Ladefläche ausmessen.

Dabei hatte ich mir meine Aufgaben ganz anders vorgestellt. Ich wollte die niederländische Luft gründlich beschnüffeln, meine Ohren vom Wind neu frisieren lassen und darauf achten, dass unsere Pausen nicht zu kurz ausfallen. Herrchen war für Kaffee und die allgemeine Erholung zuständig. Wir waren ein hervorragend eingespieltes Urlaubsteam. Frauchen dagegen besitzt einen eingebauten Antiquitätenradar. Der funktioniert sogar durch Fensterscheiben, zwischen parkenden Autos hindurch und vermutlich auch bei geschlossenen Augen. Wo wir eine Straße sehen, entdeckt sie einen Laden. Wo wir einen Laden sehen, entdeckt sie einen alten Schrank. Und wo wir einen alten Schrank sehen, hat sie längst festgestellt, dass die Beschläge interessant sind. Ich finde ja auch vieles interessant. Nur liegt mein Schwerpunkt etwas näher am Boden.

Holland machte es ihr allerdings wirklich leicht. Auf unseren Touren gab es immer wieder alte Möbel, schöne Gebrauchsgegenstände und kleine Schätze zu entdecken. Frauchen freute sich darüber, wie viel Geschichte einem dort begegnen kann. Offenbar haben noch etliche Stücke überlebt, die schon lange vor uns zum Alltag gehörten. Ein alter Schrank, eine Kommode, ein sorgfältig gearbeitetes Regal – Dinge, die nicht bei jeder neuen Mode gleich ausgetauscht wurden. Ich verstehe das gut. Mein Lieblingsplatz wird schließlich auch nicht schlechter, nur weil irgendwo ein moderneres Hundebett auftaucht. Entscheidend ist doch, ob etwas seinen Zweck erfüllt und ob man sich damit wohlfühlt. Bei einem Schrank kommt noch hinzu, dass er möglichst viel aufnehmen sollte. Beispielsweise Vorräte. Ich möchte diesen Gedanken hier einfach einmal stehen lassen.

Während wir also eine Mischung aus Urlaub und Schnüffeltour veranstalteten, erzählte Frauchen von der beeindruckenden niederländischen Kunstgeschichte. Besonders im 17. Jahrhundert entstanden dort bedeutende Gemälde und aufwendig gestaltete Möbel. Wohlhabende Kaufleute richteten ihre Häuser mit Stücken ein, die Können, Geschmack und manchmal auch ihren gesellschaftlichen Rang zeigten. Über den Handel kamen kostbare Hölzer ins Land, und geschickte Handwerker machten daraus Möbel mit außergewöhnlichen Oberflächen und feinen Einlegearbeiten. Ein Schrank konnte ein richtiges Schaustück sein. Herrchen hörte aufmerksam zu. Ich ebenfalls, zumindest bis zum Wort „Kaufleute“. Danach beschäftigte mich kurz die Frage, ob diese Leute auch mit getrockneten Fleischstreifen handelten. Eine erfolgreiche Verbindung von Kultur und Vorratshaltung wäre schließlich durchaus denkbar gewesen.

Frauchen erklärte außerdem, dass sich diese Möbelwelt über die Jahrhunderte immer wieder veränderte. Es gibt nicht den einen holländischen Stil. Manche Stücke sind streng und geradlinig, andere prachtvoll geschwungen, reich verziert oder farbenfroh bemalt. Besonders die bauchigen Formen haben es ihr angetan. Bei Möbeln heißt das dann „Bombé“, und alle nicken anerkennend. Ich fand diese Entdeckung ausgesprochen erfreulich. Endlich einmal ein Bereich, in dem eine gewisse Rundung ausdrücklich als schön gilt. Herrchen blickte auf mich, dann auf Frauchen und verzichtete klugerweise auf jeden Kommentar. So friedlich kann Urlaub sein, wenn alle rechtzeitig erkennen, wann Schweigen die bessere Entscheidung ist.

Diese Freude an geschwungenen Formen findet ihr auch bei drei holländischen Möbeln aus unserem Sortiment. Die standen selbstverständlich schon vor unserer Reise bei Antik & Stil; wir haben sie nicht heimlich zwischen Strandtasche und Reiseproviant eingeladen. Unser Barock-Vitrinenschrank aus Nussbaum, gebaut um 1880 zeigt mit seiner prächtigen Krone und dem bauchigen Unterbau genau jene Ausstrahlung, bei der Frauchen sofort langsamer wird. Hinter dem Glas lassen sich schöne Dinge bewundern, ohne dass man dafür ständig die Türen öffnen muss. Ich würde dort meine besten Leckerlis ausstellen. Herrchen meint, die wären viel zu schnell verschwunden. Das wäre dann eben eine wechselnde Ausstellung.

Bei dem Schrank lohnt sich ein kleiner Blick auf die Jahreszahl: Er wurde um 1880 gefertigt, also lange nach der eigentlichen Barockzeit. Seine Gestaltung greift ältere Formen wieder auf. Auch spätere Generationen mochten prächtige Kronen, geschwungene Linien und dekorative Möbel. Schönheit hat schließlich kein Verfallsdatum. Ich greife ebenfalls gerne auf Bewährtes zurück: Frühstück, Mittagsschläfchen, freundlicher Blick zur Leckerlitasche. Man muss nicht jeden Tag etwas Neues erfinden, wenn das Alte hervorragend funktioniert. Frauchen nennt die Wiederaufnahme historischer Formen eine spannende Entwicklung der Möbelgeschichte. Ich nenne sie vernünftig und wäre bereit gewesen, diese Erkenntnis bei einem gemütlichen Imbiss weiter zu vertiefen.

Barock-Vitrinenschrank aus Nussbaum um 1880

Doch zunächst kam natürlich noch das Regal im Barockstil um 1900 zur Sprache. Mit seiner lebendigen Holzmaserung, der geschnitzten Bekrönung und den Kugelklauenfüßen hat es einen ausgesprochen selbstbewussten Auftritt. Frauchen sieht darin einen schönen Platz für Bücher und ausgewählte Fundstücke. Ich sehe vor allem eine Gelegenheit, Dinge ordentlich aufzubewahren, die Herrchen sonst mit „Wo ist das denn wieder?“ sucht. Ein Regal kann schließlich viel zum Familienfrieden beitragen. Vorausgesetzt, man stellt die gesuchten Dinge auch hinein und legt sie nicht „nur kurz“ irgendwo anders ab. Dieses „kurz“ scheint bei Menschen grundsätzlich ein schwieriger Begriff zu sein.

Regal im Barockstil um 1900 mit Kugelklauenfüßen

Besonders gut zu unserer Hollandgeschichte passt der holländische Eichen-Sekretär aus dem 19. Jahrhundert. Bauchige Formen, kräftige Klauenkugelfüße und eine Schreibklappe – Frauchen war natürlich begeistert. Als dann noch von kleinen Schubfächern und einem Geheimfach die Rede war, hatte das Möbel endgültig gewonnen. Herrchen und ich hatten ebenfalls ein Geheimnis: Wir wollten längst irgendwo gemütlich sitzen. Aber unsere Wünsche hatten leider weder einen antiken Beschlag noch eine interessante Holzmaserung. Immerhin musste ich zugeben, dass ein Geheimfach eine ausgezeichnete Erfindung ist. Meine Notfallration könnte dort liegen. Frauchen behauptet allerdings, eine Notfallration müsse länger als bis zum Nachmittag halten. Eine unnötig strenge Auslegung.

Holländischer Eichen-Sekretär aus dem 19. Jahrhundert

So viel Aufmerksamkeit für alte Dinge bedeutet bei Frauchen übrigens keineswegs, dass sie nur in die Vergangenheit schaut. Holland hat auch eine moderne Seite, die sie richtig begeistert: ungewöhnliche Gebäude, spannende Formen und Architektur, bei der man schon einmal stehen bleibt. Das taten Herrchen und ich ebenfalls. Allerdings zunächst aus etwas anderen Gründen. Vor uns stand ein riesiges Gebäude am Wasser, mit einem gewaltigen rechteckigen Loch in der Mitte. Wir legten beide den Kopf schief. Dann zur anderen Seite. Es wurde dadurch nicht verständlicher. „Ist das schon fertig, oder sparen die noch auf die Mitte?“, fragte mein Blick. Herrchens Gesichtsausdruck verriet, dass er sich gerade mit einer sehr ähnlichen Frage beschäftigte.

Frauchen dagegen fand das Gebäude großartig. Sie betrachtete die Gestaltung, die Proportionen und den Blick durch die Öffnung. Herrchen und ich betrachteten hauptsächlich die Öffnung. Bei unseren Antiquitäten wird jedes fehlende Stück sorgfältig ergänzt, und hier plant man die fehlende Mitte gleich mit ein. Kunst ist offenbar auch eine Frage der Größenordnung. Aber je länger wir hinsahen, desto mehr musste ich zugeben: Langweilig war es wirklich nicht. Dieses Gebäude hatte etwas, das man nicht sofort wieder vergisst. Und genau das verbindet es vielleicht sogar mit den alten Möbeln, die Frauchen so liebt. Sie haben einen eigenen Charakter. Wobei ich persönlich einen bauchigen Schrank leichter verstehe als ein Haus mit Durchblick. Meine architektonische Ausbildung ist allerdings auch noch nicht abgeschlossen.

Modernes Gebäude am Wasser in Holland mit großer rechteckiger Öffnung

Nach so viel Kultur war es höchste Zeit, unsere unterschiedlichen Interessen wieder gerecht zu verteilen. Frauchen findet alles spannend, was mit Kunst, Architektur und Antiquitäten zu tun hat. Herrchen und ich sind ebenfalls vielseitig interessiert: an Frikandel, Bitterballen und der Frage, wann endlich eine Pause stattfindet. Herrchen darf die niederländischen Spezialitäten verkosten, ich begleite die Untersuchung mit fachkundigem Blick und hoffe auf meine eigenen Leckerlis. Wir nennen das angewandte Landeskunde. Schließlich lernt man ein Land nicht ausschließlich kennen, indem man Möbel betrachtet. Man kann auch gemütlich sitzen, die Umgebung beobachten und feststellen, dass eine Reise mit vollem Bauch meistens deutlich angenehmer verläuft. Herrchen unterstützte diese Erkenntnis sofort. Endlich waren wir wieder vollkommen einer Meinung.

Und so wurde unser Urlaub tatsächlich eine schöne Mischung: ein bisschen Erholung, ein bisschen Entdecken und bei Frauchen eine bemerkenswert große Portion Antiquitätenbegeisterung. Zwischen alten Möbeln und moderner Architektur gab es genug Gesprächsstoff für uns alle. Manchmal schüttelten Herrchen und ich die Köpfe, manchmal brachte Frauchen uns zum Staunen, und gelegentlich bekam auch mein ursprünglicher Reiseplan wieder eine Chance. Dann saßen wir zusammen, machten Pause und ließen Holland einfach Holland sein. Ganz ohne Schubladenkontrolle. Zumindest, solange in Sichtweite kein verdächtig interessantes Möbel stand.

Nächste Woche erzählen wir euch den zweiten Teil unserer Hollandreise. Dann zeigen wir, wie alte Stücke heute ein wunderschönes neues Leben bekommen können – zum Beispiel eine holländische Kommode, die mit einem Waschbecken zum besonderen Badmöbel geworden ist. Außerdem nehmen wir euch zu einer eindrucksvollen Kathedrale mit und entdecken weitere schöne Ideen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Frauchen hat selbstverständlich schon Bilder gesammelt. Herrchen und ich kümmern uns weiterhin um die Pausenplanung. Einer muss schließlich darauf achten, dass diese Kulturreise nicht auf nüchternen Magen stattfindet.

Bis dahin könnt ihr unsere drei holländischen Möbel im Shop näher kennenlernen. Und falls ihr selbst einmal mit einem Antiquitätenfan verreist: Fragt vor der Abfahrt ruhig nach, was mit „nur mal kurz gucken“ genau gemeint ist. Herrchen und ich werden das beim nächsten Urlaub ebenfalls tun. Schriftlich. Vielleicht im Sekretär ablegen. Im Geheimfach.

Eure Pauline – die mit Herrchen Urlaub machen wollte und mit Frauchen auf Schnüffeltour ging. 🐾

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