Warum riechen alte Möbel manchmal? – Mein Schnüffeltest bei Antik und Stil
Hallo, hier ist wieder eure Pauline. Ihr wisst ja, bei Antik und Stil habe ich inzwischen eine ganze Menge wichtiger Aufgaben. Ich kümmere mich um die Geschäftsführung, wenn Frauchen Gabriele gerade mal wieder keine Zeit hat, kontrolliere die Polsterei, passe in der Werkstatt auf, dass keiner Unsinn macht, und natürlich unterliegt auch jedes neue Möbelstück meiner persönlichen Eingangskontrolle. Für Letztere bin ich besonders gut qualifiziert. Ich bin schließlich ein Basset Hound, und wenn es eine Sache gibt, mit der die Natur bei mir nicht gegeizt hat, dann ist es die Nase. Gut, bei den Ohren war sie auch großzügig, aber die brauchen wir heute nicht.
Vor ein paar Tagen kam ein wunderschöner alter Schrank bei uns an. Ich war sofort begeistert. Tolles Holz, schöne Beschläge, ordentlich Platz – ich dachte schon darüber nach, ob man darin vielleicht ein kleines Pauline-Zimmer einrichten könnte. Frauchen Gabriele machte die Tür auf, ich steckte erwartungsvoll meinen Kopf hinein und holte tief Luft. Einen Augenblick später war ich wieder draußen. „Himmel, Herrgott! Hier hat doch seit 1953 jemand seine alten Socken aufbewahrt!“
Frauchen behauptete, ich würde übertreiben. Tue ich natürlich nicht. Ich verfüge lediglich über eine hoch entwickelte Geruchsmessanlage, und die befindet sich mitten in meinem Gesicht. Also noch einmal Kopf rein, schnüffel, schnüffel – nein, das Ergebnis blieb: Muff mit deutlicher Kellernote, Jahrgang unbekannt. Nun muss ich zugeben, dass man von einem Möbelstück, das vielleicht 100 oder 150 Jahre alt ist, auch nicht erwarten kann, dass es beim Öffnen nach Frühlingswiese duftet.
So ein alter Schrank hat schließlich ein ganzes Leben hinter sich. Vielleicht stand er jahrzehntelang auf einem Dachboden, vielleicht in einem Keller, vielleicht wurde in seiner Umgebung geraucht oder gekocht, vielleicht waren seine Türen viele Jahre geschlossen. Holz und besonders unbehandelte Innenflächen, Schubladenböden und Rückwände können solche Gerüche aufnehmen und ziemlich lange festhalten. Nikotin, Küche, Feuchtigkeit, alte Textilien, Moder – und, wie ich weiterhin vermute, gelegentlich auch Socken.
Also verordnete ich unserem Patienten zunächst die einfachste Behandlung: Türen auf, Schubladen raus und ordentlich Luft ran. Bevor Frauchen mit irgendwelchen Mittelchen an einem alten Möbel herumwerkelt, lassen wir es nämlich erst einmal an einem trockenen, gut belüfteten Ort auslüften. Das hilft erstaunlich oft schon eine ganze Menge. Selbstverständlich muss der Fortschritt regelmäßig überprüft werden. Am ersten Tag steckte ich die Nase hinein: „Hm.“ Einige Stunden später noch einmal: „Schon besser.“ Am nächsten Tag erfolgte die dritte Kontrolle. Ich schnupperte ausgiebig und verkündete: „Die Socken sind ausgezogen. Einer scheint aber noch da zu sein.“ Frauchen sagt, meine Methode sei wissenschaftlich nicht anerkannt. Ich sage, solange ich das bessere Riechorgan habe, entscheide ich das.
Schimmel im antiken Möbel – Vorsicht ist besser als Nachsicht
Nach dem Lüften war unser Schrank schon deutlich besser, aber ein Rest hielt sich hartnäckig. Bei uns wurden solche Möbel innen auch schon vorsichtig mit verdünntem Essigwasser ausgewischt. Das Wort „vorsichtig“ ist dabei wichtig. Ein antikes Möbel ist schließlich kein Badezimmerfußboden. Alte Beizen, Leime, Furniere und Oberflächen können empfindlich reagieren, deshalb wird nichts durchnässt und im Zweifelsfall erst einmal an einer unauffälligen Stelle probiert. Außen auf einer schönen alten Oberfläche würden wir sowieso nicht einfach mit Essigwasser loslegen. Wir wollen den Muff aus dem Schrank bekommen und nicht mit Essig, Wasser und Begeisterung gleich Furnier, Beize und 120 Jahre Möbelgeschichte hinterherwischen. Danach darf das gute Stück wieder vollständig trocknen und weiterlüften.
Wenn es allerdings wirklich modrig riecht oder sogar Schimmel zu sehen ist, hört bei mir der Spaß auf. Dann muss zuerst geklärt werden, woher die Feuchtigkeit kommt und ob tatsächlich Schimmel vorhanden ist. Einfach Lavendel hineinhängen hilft dann nämlich überhaupt nicht. Das wäre keine Schimmelbeseitigung, sondern höchstens Schimmel mit Hübsch. Und darunter sitzt der Schimmel und freut sich über die neue Dekoration. Bei stärkerem oder unklarem Befall gehört deshalb jemand ran, der sich damit auskennt.
Unser Schrank war zum Glück nicht schimmelig. Nur dieses letzte bisschen „Eau de Dachboden“ wollte noch nicht ganz verschwinden. Dafür kann man beispielsweise Natron oder Aktivkohle verwenden, die Gerüche binden können. Wir schütten das natürlich nicht auf das alte Holz, sondern stellen es in einer offenen Schale in den leeren Schrank und lassen es eine Weile arbeiten. An dieser Stelle habe ich vorgeschlagen, daneben noch eine Schale Leberwurst aufzustellen. Frauchen wollte wissen, welchen geruchsneutralisierenden Effekt die Leberwurst haben soll. Gar keinen. Aber ich hätte garantiert alle zehn Minuten kontrolliert, ob es schon besser riecht. Mein Vorschlag wurde trotzdem abgelehnt. Manchmal frage ich mich wirklich, warum man eine hoch qualifizierte Schnüffelbeauftragte beschäftigt, wenn man ihre Ideen anschließend ignoriert.
Die richtige Behandlung macht den Unterschied
Es gibt natürlich auch Gerüche, die sich von all dem überhaupt nicht beeindrucken lassen. Bei besonders hartnäckigen Fällen kann eine fachgerecht durchgeführte Ozonbehandlung eine Möglichkeit sein. Damit ist allerdings nicht zu spaßen. Ozon darf nicht eingeatmet werden, während der Behandlung dürfen weder Menschen noch Tiere im Raum sein, anschließend muss gründlich gelüftet werden und auch Materialien können durch Ozon angegriffen werden. Gerade bei wertvollen Antiquitäten sollte man deshalb genau wissen, was man tut. Sobald bei uns ein Ozongerät zum Einsatz kommt, bin ich übrigens weg. Sofort. Meine Hingabe an Antik und Stil ist groß, aber meine Stellenbeschreibung enthält eindeutig keinen Punkt „Pauline wird mit ozoniert“.
Unser Schrank brauchte das glücklicherweise nicht. Nach Lüften, vorsichtiger Reinigung und etwas Geduld kam endlich mein schönster Arbeitsschritt: die Abschlussprüfung. Frauchen öffnete die Tür, ich trat vor, Kopf rein, einmal tief eingeatmet, noch einmal geschnuppert – und dann konnte ich das Ergebnis verkünden: „Bestanden!“ Kein Keller, kein Moder und, das möchte ich ausdrücklich festhalten, keine Socke von 1953 mehr nachweisbar.
Jetzt erst darf bei uns der schöne Teil beginnen. Wir hängen zum Beispiel gern ein Lavendelsäckchen in einen Schrank oder verwenden auch einmal ein Dufttuch, natürlich so, dass es nicht dauerhaft direkt auf einer empfindlichen alten Oberfläche liegt. Was wir nicht machen: Erst einmal ordentlich Duft in einen muffigen Schrank und hoffen, dass sich das Problem damit erledigt hat. Das wäre ungefähr so, als würdest du die alten Socken von 1953 mit Parfüm einsprühen und wieder hineinlegen. Heraus kommt keine „Lavendelwiese in der Provence“, sondern „Alter Keller trifft Lavendel“. Und glaub mir, ich merke den Unterschied.
Alte Möbel brauchen Zeit, Pflege und Respekt
Am Ende habe ich unseren Schrank noch ein letztes Mal kontrolliert. Ich steckte die Nase hinein: ein bisschen altes Holz, ein Hauch Lavendel und sonst nichts. Wunderbar. Ich erklärte Frauchen, dass der Schrank nun offiziell freigegeben sei und man eigentlich darüber nachdenken könnte, unten mein Körbchen hineinzustellen. Bei so viel Platz hätte oben sogar noch die Leberwurst hineingepasst. Frauchen hat daraufhin die Tür zugemacht. Mit mir davor. Ich empfinde das bis heute als eine völlig unangemessene Reaktion auf einen konstruktiven Vorschlag.
Also, wenn bei dir zu Hause auch ein alter Schrank ein bisschen eigenwillig duftet, denk an mich: Erst herausfinden, woher der Geruch kommt, dann ordentlich lüften, bei Bedarf vorsichtig reinigen oder Gerüche binden – und erst wenn der Muff wirklich ausgezogen ist, dürfen Lavendel und Dufttücher einziehen. Denn eines weiß ich nach meiner langen Karriere bei Antik und Stil ganz genau: Ein Möbel darf alt sein, es darf seine Geschichte haben und es darf auch ein paar kleine Spuren seines Lebens tragen. Aber deshalb muss es noch lange nicht nach alten Socken riechen.
Bis zum nächsten Mal,
eure Pauline, Schnüffelbeauftragte, Qualitätskontrolle und gelegentliche Geschäftsführung,
zusammen mit Frauchen Gabriele
und dem ganzen Team von Antik und Stil.
P.S.: Solltest du deinem eigenen Schrank geruchstechnisch nicht trauen: Ich übernehme selbstverständlich Hausbesuche. Bezahlung in Leberwurst. Bei besonders schweren Fällen akzeptiere ich zusätzlich Käse. 🐾
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Natürlich waren wir diese Woche nicht nur mit meiner Nase beschäftigt. Bei Antik und Stil sind wieder wunderschöne neue alte Schätze eingezogen. Schaut unbedingt bei unseren Neuheiten vorbei – vielleicht wartet dort gerade genau das Stück, das bei euch noch gefehlt hat.
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