Pauline macht einen Ausflug in die Gründerzeit und den Jugendstil – und hat natürlich ganz eigene Vorstellungen davon, wie ein Schlafzimmer aussehen sollte.
Hallo ihr Lieben,
Ich muss euch etwas erzählen. Frauchen und ich haben uns diese Woche mit alten Schlafzimmern beschäftigt. Also mit sehr alten Schlafzimmern. Beim Bett war ich noch dabei. Beim Schrank auch. Waschschüssel – meinetwegen. Menschen machen ja sowieso vieles unnötig kompliziert, wenn eine ordentliche Pfütze Wasser eigentlich reichen würde. Aber dann kam Frauchen mit dem Nachttopf um die Ecke. Ich habe sie erst einmal angesehen.
„Pauline, das war früher völlig normal.“
Aha. Ich habe einen Garten von beachtlicher Größe und soll mir von Menschen erklären lassen, was normal ist. 😂
Ich stand gerade vor einem unserer alten Bettgestelle, als ich hinter mir dieses unverkennbare Schnaufen hörte. Pauline. Sie stellte sich neben mich und betrachtete das Bett eine ganze Weile. „Na?“, fragte ich. „Gefällt es dir?“ Pauline legte den Kopf schief. „Wie breit ist das?“
Ich hätte es wissen müssen. Da steht ein wunderschönes altes Bett vor ihr. Mehr als hundert Jahre Geschichte, schönes Holz, alte Handwerkskunst – und Pauline interessiert genau eine Sache: Wie viel Platz ist für sie drin? „Du könntest auch mal fragen, wie alt es ist.“ Pauline sah mich an. „Warum? Wird es davon breiter?“ – „Nein.“ – „Na also.“
„Pauline, weißt du eigentlich, wie ein Schlafzimmer vor ungefähr 120 Jahren ausgesehen hat?“ – „Natürlich.“ Ich wurde misstrauisch. „Ach ja?“ – „Bett.“ – „Ja.“ – „Großes Bett.“ – „Nicht unbedingt.“ Sie sah mich entsetzt an. „Dann war früher also doch nicht alles besser.“
Und damit waren wir mittendrin in unserer nächsten Reise in die Vergangenheit.

Ein Bett fürs Leben
Natürlich sah nicht jedes Schlafzimmer um 1900 gleich aus. Es machte einen großen Unterschied, ob eine wohlhabende Familie in einer Stadtvilla wohnte oder eine Familie auf dem Land mit wenig Platz auskommen musste. Aber eines durfte nicht fehlen: das Bett. In der Gründerzeit und im Jugendstil entstanden wunderschöne Bettgestelle aus Holz. Eiche, Buche, Nussbaum und andere Hölzer wurden verarbeitet. Manche waren eher schlicht, andere besaßen hohe Kopf- und Fußteile, Schnitzereien oder später die geschwungenen und floralen Formen, die wir heute mit dem Jugendstil verbinden.
Viele dieser Bettgestelle haben weit mehr als hundert Jahre überstanden. Und dann hören wir heute oft: „Wunderschön – aber dafür bekommt man doch gar keine Matratze mehr.“
Neben mir herrschte plötzlich Unruhe. „Was heißt hier, keine Matratze?“ Pauline sah mich ernst an. „Was soll man denn dann mit dem Bett machen? Kartoffeln lagern?“
„Beruhige dich. Natürlich bekommt man dafür eine Matratze.“
Historische Bettgestelle entsprechen häufig einfach nicht unseren heutigen Standardmaßen. Das ist aber längst kein großes Problem mehr. Ein Lattenrost kann passend für das vorhandene Bettgestell auf Maß angefertigt werden, und auch Matratzen lassen sich in individuellen Sondermaßen herstellen oder bestellen. Dafür gibt es spezialisierte Anbieter, und solche Anfertigungen müssen keineswegs ein kleines Vermögen kosten. Oft ist eine passende Lösung viel unkomplizierter und preiswerter, als man zunächst vermutet.
Wer sich also in ein altes Bett verliebt, sollte sich von einem ungewöhnlichen Innenmaß nicht abschrecken lassen. Erst einmal genau messen und dann schauen, welche Lösung passt. Und wer dazu Fragen hat, kann uns natürlich gern ansprechen. Wir geben unsere Erfahrungen und Informationen gern weiter.
Pauline war sichtlich erleichtert. „Gut. Dann nehme ich das.“ – „Du hast ein Bett.“ – „Nein. Ihr habt ein Bett.“ – „Und wo schläfst du?“ – „Bei euch.“ – „Und wie viel Platz haben Herrchen und ich?“ Sie dachte einen Moment nach. „Genug.“
Nun muss man wissen, dass Paulines Definition von „genug“ ungefähr 50 Zentimeter pro Mensch beträgt. Der übrige Teil des Bettes unterliegt offenbar dem Basset-Gewohnheitsrecht.
Morgens um 1900 – wo ist eigentlich das Badezimmer?
Wir gingen gedanklich weiter durch unser Schlafzimmer um 1900. „So, Pauline, jetzt stehen wir morgens auf.“ Sie sah mich irritiert an. „Warum?“ – „Weil der Tag anfängt.“ – „Das ist kein Grund.“
Gut. Bei den morgendlichen Gepflogenheiten scheinen sich Bassets und Menschen der Gründerzeit nicht ganz einig zu sein.
Ein eigenes Badezimmer mit fließendem warmem und kaltem Wasser war um 1900 keineswegs in jedem Haushalt selbstverständlich. Ein Teil der täglichen Körperpflege fand deshalb direkt im Schlafzimmer statt. Dort stand häufig eine Waschkommode oder ein Waschtisch. Darauf befanden sich eine große Waschschüssel und ein Wasserkrug, manchmal ergänzt durch weitere passende Gefäße. Besonders schöne Waschgarnituren aus Keramik oder Porzellan waren dekoriert und gehörten sichtbar zur Einrichtung des Raumes.
Pauline betrachtete die Waschschüssel. „Da haben die sich drin gewaschen?“ – „Ja.“ – „Jeden Morgen?“ – „Im Idealfall.“ Sie dachte kurz nach. „Und ihr erzählt MIR immer, ich soll nicht aus Pfützen trinken.“ Ich versuchte ihr zu erklären, dass das überhaupt nichts miteinander zu tun hat. Sie behauptet bis heute das Gegenteil.

Wenn aus dem Waschtisch ein Schminktisch wird
Und genau hier zeigt sich etwas, das wir an alten Möbeln besonders mögen. Nur weil wir einen Waschtisch heute nicht mehr zum Waschen brauchen, ist er noch lange nicht überflüssig. Im Gegenteil. Ein alter Waschtisch kann heute ein wunderschöner Schmink- oder Kosmetiktisch sein. Ein schöner Spiegel darüber, ein passender Stuhl davor, vielleicht Parfüm, Schmuck und eine kleine Lampe darauf – und schon bekommt ein Möbel, das vielleicht 120 oder 130 Jahre alt ist, eine vollkommen neue Aufgabe.
Auch Waschschüsseln und Krüge müssen nicht ungenutzt im Schrank verschwinden. Sie können einzeln dekoriert werden, Blumen aufnehmen oder einfach als schöne Zeugnisse ihrer Zeit wirken. Die ursprüngliche Funktion verändert sich, die Geschichte bleibt.
„Ich hätte auch eine moderne Verwendung für den Waschtisch“, verkündete Pauline. Ich ahnte nichts Gutes. „Welche?“ – „Leckerchenbar. Oben die Kekse, in die Schubladen die Kaustangen und unten kommen die großen Tüten.“ – „Nein.“ Pauline schüttelte den Kopf. „Du bist neuen Wohnideen gegenüber erstaunlich verschlossen.“

Der Kleiderschrank hatte es leichter
Ein anderes Möbel musste sich in den vergangenen 120 Jahren deutlich weniger umstellen: der Kleiderschrank. Tür auf, Kleider hinein, Tür zu – das Prinzip hat sich bewährt.
Schränke der Gründerzeit konnten groß, schwer und ausgesprochen repräsentativ sein. Im Jugendstil wurden die Formen teilweise leichter und verspielter. Hinter den Türen finden sich je nach Möbel Einlegeböden, Haken, Schubladen oder Möglichkeiten zum Aufhängen der Kleidung. Vieles lässt sich heute so anpassen, dass ein historischer Schrank auch in einem modernen Schlafzimmer ganz selbstverständlich weitergenutzt werden kann.
Pauline schaute eine Weile in den Schrank. „Wie viele Hundekekse passen eigentlich da rein?“ – „Keine.“ – „Der ganze Schrank?“ – „Da kommen Kleider hinein.“ – „Von einem Menschen?“ Ich wechselte das Thema. Manche Diskussionen kann man nicht gewinnen.

Natürlich konnte im Schlafzimmer auch ein Stuhl stehen. Zum Sitzen. Theoretisch jedenfalls. Denn vermutlich gibt es eine Tradition, die bereits Generationen überlebt hat: Sobald ein Stuhl im Schlafzimmer steht, liegen Kleidungsstücke darauf. „Das ziehe ich morgen noch einmal an.“ Vielleicht wurde dieser Satz bereits 1897 gesprochen. Historisch belegen können wir das leider nicht.
Pauline betrachtete den Stuhl und erklärte ihn für völlig unnötig. „Man kann die Sachen doch aufs Bett legen.“ – „Da liegst du.“ Sie nickte zufrieden. „Siehst du. Alles sinnvoll genutzt.“
Manchmal frage ich mich, ob ich mit einem Hund zusammenlebe oder mit einer Unternehmensberaterin für Flächenoptimierung.
Spiegel, Licht und ein bisschen Eitelkeit
Auch Spiegel gehörten zur Schlafzimmereinrichtung. Und mit der zunehmenden Elektrifizierung hielt um die Jahrhundertwende nach und nach elektrisches Licht Einzug. Gerade aus dem Jugendstil kennen wir wunderschöne Lampen, bei denen moderne Technik und kunstvolle Gestaltung zusammenkamen. „Braucht man Licht im Schlafzimmer?“, fragte Pauline. „Natürlich – zum Anziehen, Lesen und um etwas zu finden.“ – „Aber zum Schlafen nicht.“ Sie nickte zufrieden. „Na also. Licht aus. Problem gelöst.“

Eigentlich ist uns dieses Schlafzimmer gar nicht so fremd
Nun standen wir gedanklich mitten in unserem Schlafzimmer um 1900: Bett, Kleiderschrank, Waschtisch mit Waschschüssel und Krug, vielleicht eine Kommode, ein Spiegel, ein Stuhl und eine schöne Lampe. So fremd ist uns dieses Zimmer eigentlich gar nicht. Heute haben wir Badezimmer, warmes Wasser, moderne Matratzen und elektrisches Licht – doch viele der alten Möbel können noch immer genau das tun, wofür sie einmal gebaut wurden. Andere bekommen einfach eine neue Aufgabe: Der Waschtisch wird zum Schminktisch, das Waschgeschirr zum dekorativen Blickfang und ein historisches Bett bekommt Lattenrost und Matratze auf Maß.
Vielleicht ist genau das das Schöne an Antiquitäten: Sie dürfen mitten in unserem heutigen Leben stehen. Wir benutzen sie, geben ihnen manchmal eine neue Aufgabe und schreiben ihre Geschichte weiter.
„Na, hättest du gern ein Schlafzimmer im Jugendstil?“, fragte ich Pauline. Sie überlegte. „Den Waschtisch brauche ich nicht. Den Spiegel auch nicht. Und der Kleiderschrank kann ebenfalls weg.“ – „Der Kleiderschrank auch?“ Pauline nickte. „Da durfte ich ja sowieso keine Leckerlis reinlegen.“ – „Pauline! Wofür brauchst du denn den ganzen Platz?“ Ihr Blick wanderte zum Bett. Natürlich. „Also nur das Bett?“ – „Ja.“ – „Und was machen Herrchen und ich?“ Pauline sah mich an, als wäre das nun wirklich nicht ihr Problem. „Ihr dürft doch mit rein. Jeder 50 Zentimeter.“
Damit war unsere Reise durch das Schlafzimmer um 1900 beendet. Pauline war zufrieden: schöne Möbel, interessante Waschgewohnheiten und offenbar viel zu kleine Betten. An der Tür drehte sie sich noch einmal um. „Frauchen? Was machen wir nächste Woche?“ – „Das weiß ich schon.“ – „Und ich?“ – „Du noch nicht.“ Pauline schnaufte empört.
Und deshalb verraten wir es ihr – und euch – noch nicht. Schaut nächste Woche wieder bei unserem Antikpost vorbei. Eines können wir schon versprechen: Pauline wird ihre Nase garantiert wieder in Dinge stecken, die sie eigentlich überhaupt nichts angehen.
Ihre Gabriele Klippert
& eure selbst ernannte Antiquitäten-Chefin Pauline 🐾
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