Als Möbel noch für Lords gebaut wurden

Als Möbel noch für Lords gebaut wurden

Als Möbel noch für Lords gebaut wurden -
Pauline entdeckt einen englischen Bibliothekssekretär

Hallo ihr Lieben…

 

manchmal gehe ich durch unsere Werkstatt und entdecke etwas, das mich sofort neugierig macht. Diese Woche stand dort ein Möbelstück, das mich völlig verwirrt hat.

„Frauchen … ist das ein Schrank?“

„Ja.“

„Ist das ein Bücherregal?“

„Auch.“

„Ist das ein Schreibtisch?“

„Ja.“

„Und was ist es jetzt wirklich?“

„Ein englischer Bibliotheksekretär.“

„Die Engländer konnten sich wohl nie entscheiden.“

 

Die Engländer liebten praktische Eleganz

 

Im England des 18. und 19. Jahrhunderts gehörten Bücher zu den wertvollsten Besitztümern einer Familie. Wer viele Bücher besaß, zeigte damit Bildung, Wissen und oft auch Wohlstand. Anders als in vielen deutschen Häusern entstanden in England schon früh eigene Bibliothekszimmer. Hier wurde gelesen. Geschrieben. Diskutiert. Und Geschäfte wurden erledigt. Deshalb entwickelten englische Möbeltischler Möbel, die gleich mehrere Aufgaben erfüllen konnten. Und genau daraus entstand der Bibliotheksekretär.

„Also eine Mischung aus Bibliothek, Büro und Schrank?“

„Ganz genau.“

„Die Engländer mochten wohl Multifunktionsmöbel.“

 

Schrank, Bibliothek und Schreibtisch in einem

 

Ein Bibliotheksekretär vereint gleich mehrere Möbelstücke. Im oberen Bereich wurden Bücher, Dokumente und wertvolle Sammlerstücke aufbewahrt. Hinter den verglasten Türen waren sie vor Staub geschützt. Im unteren Bereich verbirgt sich ein vollwertiger Sekretär mit Schreibfläche, Schubladen und zahlreichen kleinen Fächern. Heute würden wir vielleicht Homeoffice dazu sagen. Damals war es der Arbeitsplatz eines Kaufmanns, Anwalts oder Gutsherrn.

„Das war also das Homeoffice von 1900?“

„So könnte man es sagen.“

„Deutlich schöner als ein Laptop auf dem Küchentisch.“

 

Warum so viele Schubladen?

 

Heute schreiben wir E-Mails. Früher schrieb man Briefe. Sehr viele Briefe. Geschäftsleute, Kaufleute und Anwälte führten einen großen Teil ihres Alltags über Schriftverkehr. Deshalb besitzen viele englische Sekretäre unzählige kleine Schubladen und Fächer. Dort wurden Rechnungen. Dokumente. Briefe. Siegel. Schreibfedern. Und persönliche Unterlagen ordentlich aufbewahrt.

„Also das E-Mail-Postfach von 1900?“

„So ungefähr.“

„Nur deutlich stilvoller.“

 

Mahagoni – das Luxus-Holz der englischen Möbelwelt

 

„Frauchen … warum haben die Engländer eigentlich so oft Mahagoni verwendet?“

„Weil Mahagoni damals eines der begehrtesten Hölzer der Welt war.“

Mahagoni stammt ursprünglich aus Mittelamerika und der Karibik. Bereits im 18. Jahrhundert brachten englische Handelsschiffe das wertvolle Holz aus Jamaika, Kuba und Honduras nach England. Dort entdeckten die Möbelbauer schnell seine besonderen Eigenschaften. Mahagoni war stabil. Es ließ sich hervorragend bearbeiten. Es verzog sich kaum. Und vor allem besaß es diese warme, edle Farbe, die bis heute so beliebt ist. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde Mahagoni zum bevorzugten Holz der englischen Möbelkunst. Viele berühmte Möbelstile wie Chippendale, Hepplewhite oder Sheraton wurden daraus gefertigt. Wer damals ein großes Mahagoni-Möbel besaß, zeigte nicht nur guten Geschmack. Sondern oft auch Wohlstand und Bildung.

„Also war Mahagoni früher so etwas wie ein Luxusauto?“

„Nicht ganz.“

„Aber ziemlich nah dran.“

„Dann stand dieser Schrank früher wohl in der Nobelgegend.“

 

Pauline entdeckt ihre englischen Wurzeln

 

Bei meiner Recherche habe ich übrigens noch etwas Spannendes herausgefunden. Der Bibliotheksekretär stammt aus England. Und mein Basset-Hound-Stammbaum hat dort ebenfalls seine Spuren hinterlassen.

„Moment mal …“

„Dieser Schrank kommt aus England.“

„Ja.“

„Und ich bin fast auch Engländerin.“

„Zumindest ein bisschen.“

„Dann verstehe ich sofort, warum mir dieses Möbel gefällt.“

„Nicht ganz, Pauline.“

„Aber fast.“

„Dann erklärt das auch meinen guten Geschmack.“

 

Paulines Entdeckung der Woche

Großer englischer Bibliothekssekretär als repräsentatives Möbelstück

Dieser außergewöhnliche englische Bibliotheksekretär vereint Bibliothek, Vitrine und Schreibtisch in einem beeindruckenden Möbelstück. Mit seinen zahlreichen Schubladen, den verglasten Türen und der großen Schreibfläche zeigt er eindrucksvoll, wie durchdacht englische Möbel um 1900 gebaut wurden. Ein Möbelstück für Menschen, die Bücher, Geschichte und Handwerkskunst lieben.

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Und nächste Woche?

Natürlich habe ich schon wieder etwas entdeckt. Mehr darf ich leider noch nicht verraten.

„Ein kleines bisschen vielleicht?“

„Nein.“

„Ein winzig kleines bisschen?“

„Nein Pauline.“

Ich verrate euch nur so viel: Es steht bereits in unserer Werkstatt. Es hat eine spannende Geschichte. Und ich durfte wieder einmal noch nicht darüber sprechen.

 

Wir wünschen euch ein wunderschönes Wochenende,

viel Sonne, gute Laune und vielleicht die eine oder andere kleine Entdeckung.

 

Herzliche Grüße

Eure Gabriele Klippert
das Team von Antik & Stil
und natürlich Pauline 🐾

 

PS (von Pauline):

„Frauchen …“

„Warum hat dieser Bibliotheksekretär eigentlich neun Schlüssel?“

„Damit jede Schublade sicher verschlossen werden konnte.“

„Aha …“

„Und heute?“

„Heute haben die Menschen für alles ein Passwort.“

„… und schreiben es auf einen Zettel.“

 

PPS (Pauline hat auch noch eine Meinung):

„Frauchen …“

„Früher hatten die Menschen einen Schrank für ihre Briefe.“

„Ja.“

„Heute haben sie 8.742 E-Mails.“

„Kann sein.“

„Und trotzdem rufen sie ihren Mann und fragen:“

„’Hast du meine E-Mail gesehen?’“

„Manchmal glaube ich, die Menschen waren früher besser organisiert.“

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